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Kiwis Geschichte „Wenn Sie jemandem ein Geschenk machen, möchten Sie sich darin wieder erkennen. Ist das Objekt geistreich, so auch Sie, ist es raffiniert und elegant, so auch die Person, die es ausgesucht hat. Wenn Sie schon nicht die Früchte Ihrer eigenen Kreativität anbieten können, so ist es doch Ihr Verdienst, aus all den banalen Angeboten eine intelligente, originelle und raffinierte Wahl treffen zu können, und somit sind auch Sie intelligent, originell und raffiniert. Für Alessi als Designer zu arbeiten, heißt genau diesen Kurs zu verfolgen. Mit „Kiwi“ hatten wir die Möglichkeit, in einen Produktbereich einzugreifen, der normalerweise auf ein bescheidenes Design beschränkt ist. Doch der Prozess gestaltete sich weder kurz noch geradlinig. Der erste Entwurf und das erste Pappmodell hatten die Form eines hohen Kegels mit einem im Objekt versenkbaren Griff, wie bei Shampoo-Behältern, aber wie sollte dieser unter dem niedrigen Wasserhahn eines Waschbeckens aufgefüllt werden? Also wurde der Kegel nach vorn gekrümmt, und was für ein schönes Horn aus ihm wurde! Ein Glücksbringer!* Das Problem aber blieb bestehen. Daraufhin haben wir eingesehen, dass der Kegel eine horizontale Ausrichtung haben müsste, nur so könnte er leicht unter einem Wasserhahn aufgefüllt werden. Die Form hat sich entgegen der menschlichen Evolution entwickelt: von erectus zu coricatus. Schließlich erfuhren wir am „realen“ Modell den Rausch der Realisierung unserer Gedanken, der Berührung unserer Ideen – eine Empfindung der kreativen Allmacht, die uns Designer jedes Mal ergreift, wenn wir vor einem ersten Modell stehen. Doch leider folgte dieser erfreulichen Erfahrung eine herbe Enttäuschung, als wir feststellen mussten, dass das Wasser auch dort austrat, wo es eigentlich nur hätte eingefüllt werden sollen. In einem entscheidenden Endspurt haben wir daraufhin das Einfüllloch unter den Griff in die Position des Schwerpunktes verlegt, wo die bereits vorgesehene Vertiefung als Trichter fungiert. Der Prozess der Produktperfektionierung mithilfe der entstehenden Modelle ist eine alltägliche professionelle Vorgehensweise. Wer glaubt, die Realisierung einer guten Idee bedeute, sie sich nachts auszudenken, sie morgens aufs Papier zu bringen und abends das fertige Resultat begutachten zu können, für den mag diese Geschichte eine Überraschung sein.” Donato D’Urbino und Paolo Lomazzi
*Anm. d. Ü.: Das Horn ist in Italien in mancher Form ein Glücksbringer.
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